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Überlandwerk Rhön

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Seit 25 Jahren wieder länderübergreifende Stromversorgung

(vom 05.12.2018)

Stromtechnische Wiedervereinigung der Überlandwerk Rhön GmbH im Jahre 1993.

Seit 1920, also fast 100 Jahre, ist die Überlandwerk Rhön GmbH (ÜWR) als kommunaler Stromversorger für die Versorgung im Dreiländereck der Rhön verantwortlich. Die bis dahin von der flächigen Stromversorgung nicht bedachten Gemeinden der Rhön schlossen sich zusammen und gründeten ihr eigenes, und auch heute noch, 100 Prozent kommunales Unternehmen. Die deutsche Teilung bedeutete auch für das Unternehmen eine Zäsur: die thüringischen Gesellschaftergemeinden konnten ab 1952 nicht mehr versorgt werden. Seit nunmehr 25 Jahren ist das Netzgebiet jedoch wieder vereint und der Strom kann zwischen den Rhönorten unabhängig von Landesgrenzen fließen und eine sichere Versorgung garantieren. Ebenfalls können die thüringischen Gesellschafter, Städte und Gemeinden im Ulster- und Feldatal, wieder aktiv die Unternehmensentwicklung mitgestalten.

 

Es war ein im wahrsten Sinne des Wortes einschneidendes Ereignis: im Jahr 1952 wurden die Stromleitungen zwischen den thüringischen und den bayerischen und hessischen Gesellschaftergemeinden im Netzgebiet des ÜWR gekappt. Die politische Entwicklung in Deutschland sorgte dafür, dass das kommunale Stromversorgungsunternehmen in der Rhön auseinandergerissen wurde. Ein Schock für alle Gesellschaftergemeinden, die Mitarbeiter und natürlich auch die Kunden des Unternehmens. Denn mit der Kappung der Leitungen an den Landesgrenzen saßen die Bewohner der bayerischen und hessischen Gemeinden des ÜWR plötzlich im Dunkeln. Bisher kam der Strom für alle Kunden nämlich aus dem thüringischen Kohlekraftwerk in Breitungen an der Werra.

Einigkeit der Gesellschafter führte zur Wiedervereinigung

Mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze im Jahre 1989 konnte die Geschäftsführung des ÜWR, den Kontakt zu den thüringischen Gesellschaftern wieder aufnehmen. Hatte man doch in den vierzig Jahren der Unternehmensteilung nie die nicht mehr erreichbaren Orte der thüringischen Rhön vergessen. Es wurde jederzeit dokumentiert, dass das Bestreben des ÜWR die Zusammenführung der Gesellschaft war. So wurden in den Jahren der Teilung auf dem Briefkopf des ÜWR die ehemaligen thüringischen Standorte des Unternehmens weiter mit aufgeführt, jedoch mit dem textlichen Zusatz „derzeit unserer Verwaltung entzogen“. Diesen Zusammenhalt bekräftigt auch Landrat Thomas Habermann in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung des ÜWR: „Vor fast 100 Jahren wurde das ÜWR als Solidargemeinschaft gegründet. Ohne den besonderen Zusammenhalt der bayerischen, hessischen und thüringischen Gesellschafter in den schwierigen Anfangsjahren des Netzausbaus wäre diese Entwicklung des Unternehmens nicht möglich gewesen. Selbst als 1952 die thüringischen Gesellschafter von unserem Unternehmen getrennt wurden, hat sich die Solidargemeinschaft über Jahrzehnte bis zur Wiedervereinigung erhalten.“

Bereits im Sommer 1990 nahmen die Bürgermeister der thüringischen Gesellschaftergemeinden – diese wurden zu DDR-Zeiten nie enteignet – erstmals wieder an der Gesellschafterversammlung des ÜWR teil. In den Jahren der Teilung wurden ihre Interessen immer durch einen Vertreter der Bundesausgleichsbank in Bonn/Bad Godesberg vertreten. In dieser Versammlung war man sich einig, dass mit aller Macht die Übertragung der Netzanlagen zurück in die eigene Gesellschaft vorangetrieben werden soll. Dem großen Engagement der damaligen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ist es zu verdanken, dass 1993 die Netzübernahme und die Versorgung der Kunden erfolgen konnten.

Strom fließt wieder über die Landesgrenzen

Mit dem Beginn des Engagements zur Zusammenführung der Gesellschaft startete die ÜWR bereits mit baulichen Aktivitäten in den thüringischen Gesellschaftergemeinden. Bei vielen Straßenbaumaßnahmen in den Gemeinden verlegte die ÜWR bereits Stromkabel, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine Stromkunden angeschlossen werden konnten. Ebenso wurde in Neidhartshausen die Bezirksstelle Feldatal errichtet und 1992 in Betrieb genommen. Von hier aus wurden die thüringischen Baumaßnahmen koordiniert und seit der Netzübernahme ist die Bezirksstelle der verantwortliche Standort für das thüringische Netzgebiet der ÜWR.

Für eine sichere Stromversorgung wurden viele der ehemaligen Leitungsverbindungen zwischen Bayern, Hessen und Thüringen wiederhergestellt und so das ehemals geeinte Stromnetz neu aufgebaut. Damit ist eine vereinfachte Betriebsführung des großflächigen Stromnetzes mit rund 3.500 Kilometern Länge sowie die Versorgungssicherheit der angeschlossen Kunden gewährleistet.

30 Mio. EURO Investitionen

Der Netzaufbau in den thüringischen Gemeinden stellte für das ÜWR in finanzieller Hinsicht eine große Herausforderung dar. Die Solidarität aller Gesellschafter ermöglichte es, dass in den ersten Jahren die Bautätigkeiten in den bayerischen und hessischen Gemeinden auf das Nötigste beschränkt wurden. So konnten die enormen Investitionen in das thüringische Stromnetz gemeistert werden. Ebenso wurden Stromleitungsverbindungen zwischen den Netzgebieten im Dreiländereck gebaut. Damit gibt es wieder ein zusammenhängendes Stromnetz im ÜWR. Die großen Schalthäuser im thüringischen Zella sowie auf bayerischer Seite in Nordheim und Brendlorenzen wurden in den letzten Jahren komplett modernisiert oder neu gebaut. Als letztes Großprojekt wurde erst im vergangenen Oktober der 1,6 Mio. EURO-Neubau des Schalthauses im hessischen Dietges in Betrieb genommen. In Summe wurden seit der Wiederaufnahme der Versorgung in Thüringen alleine dort rund 30 Mio. EURO in das Stromnetz investiert. Eine Investition in Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit, wie Landrat Habermann betont: „Der länderübergreifende Zusammenhalt und nicht ein Streben nach Gewinnmaximierung ermöglicht solche Investitionen. Dies wird auch dadurch bekundet, dass alle Gesellschaftergemeinden des ÜWR einen neuen Konzessionsvertrag für die nächsten 20 Jahre geschlossen haben. Damit ist die Zukunft des Unternehmens aus Sicht der Gesellschafter gesichert.“

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